Flexibilität

Bei ihrer Arbeit ist es für Schamanen und Schamaninnen unerlässlich, flexibel in ihrer Wahrnehmung, in ihrem Fühlen, Denken und Handeln sein. Sie folgen zwar meist einer traditionellen Lehre, greifen auf den Erfahrungsschatz zahlreicher Generationen zurück, verwenden erprobte Abläufe bei Zeremonien, Behandlungen, schamanischen Reisen u.s.w., klammern sich aber nicht daran.

Denn gerade im schamanischen Handeln ist Unvorhergesehenes an der Tagesordnung. Wenn SchamanInnen also damit in Reibung gehen würden, dass das Wetter missgünstig ist, der Mensch, mit dem sie es gerade zu tun haben, eigenartig riecht, das Feuer nicht so brennt, wie sie es gerne hätten, wenn eine wichtige zeremonielle Zutat fehlt – dann sind sie dem, was wir das „Ego“ oder auch „niederes Selbst“ nennen, ausgeliefert. Und damit wird vermutlich alles blockiert, was in einem guten Fluss sein sollte. Es geht bei schamanischen Handlungen also viel weniger um die Umsetzung von erlerntem Wissen sondern um den Fluss des Geschehenlassens. Was es dazu braucht, ist vor allem die Bereitschaft, sich immer wieder auf Neues einzustellen, scheinbar widrigen, seltsamen oder auch beängstigenden Umständen ohne Filter von Verstand und Bewertungen mit spontanen und intuitiven Aktionen zu begegnen. Damit wird jegliche Möglichkeit und „Unmöglichkeit“ offen gelassen. Doch auch diese Grundhaltung erfordert Übung, viel Übung! Es geht dabei vor allem darum, sich mit möglichst vielem vertraut zu machen. Wer weiß, wie das Leben in seinen vielen Ausprägungen „schmeckt“, den wird auch ein neuer, völlig unvermuteter Geschmack nicht sofort aus der Bahn werfen (siehe auch „Südwesten“). Wer beizeiten übt, sich in vielen unterschiedlichen Rollen zurecht zu finden, dem wird es bei schamanischen Handlungen auch viel leichter fallen, spontan eine andere Haltung, einen andere Zugangsweise einzunehmen. Mit anderen Worten – merkt man, dass Rasseln nicht zielführend ist, dann ist es vielleicht der Schrei eines Adlers, das Zischen einer Schlange, der Tanz auf einem Bein oder ganz völlig anderes. In indianischen Traditionen nennt man dies die Kunst des Gestaltwandelns (auch: Shape Shifting).

In den schamanischen Wochentipps gibt es Anleitungen dazu, Neuem, Unbekannten zu begegnen, wir machen uns vieles vertraut und probieren in vielfältiger Weise aus, einfach anders zu sein.

Kernsatz: Wenn du das tust, was du immer getan hast, wirst du das bekommen, was du schon immer bekommen hast.

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