Magie im Schamanismus braucht eine große Prise Humor und Narretei
In vielen schamanischen Traditionen ist dies ein eigener Bereich, der von ganz speziell dafür geeigneten und ausgebildeten Menschen ausgeführt wird. In indianischen Traditionen ist die „Heyoka-Kraft“ bekannt. Menschen, die sich dieser Kraft bedienen, machen immer alles anders – Bei Hitze laufen sie in dicke Pelze eingehüllt herum, bei Kälte nackt, wenn alle weinen lachen sie, wenn etwas sehr ehrfürchtig ist, macht sie eine unanständige Geste u.s.w. Damit zeigen sie immer eine andere Rolle, eine andere Möglichkeit auf, die zum ‘normalen’ Verhalten im Gegensatz liegt. In Candomblé (einer afro-brasilianische Religion) gibt es die Gottheit Eshu, die eine ähnliche Funktion hat und vor allem auch für das Unerwartete steht, das aus eingefahrenen Bahnen wirft und damit werden schamanische Prozesse oft erst möglich. Auch unser Kulturkreis kennt solche Charaktere – Till Eulenspiegel, Hofnarren, der „Liebe Augustin“ in Wien oder der „Dumme August“ im Zirkus, die Romanheldin Pippi Langstrumpf. In der modernen Psychologie würden wir das am besten mit „paradoxer Intervention“ beschreiben.
Von Heilern aus dem Mittelalter ist überliefert, dass sie neben ihren fachlichen Qualifikationen immer auch Gaukler waren, die zu allgemeinen Erstaunen und Belustigung beigetragen haben. Cliniclowns zeigen heute, wie wichtig das für einen Heilungsprozess sein kann.
Ein wenig dieser Kraft ist in jedem schamanisch denkenden, fühlenden und arbeitenden Menschen. Er nimmt sich zu einem selbst nicht zu ernst und erringt zum anderen dadurch auch die Meisterschaft des Perspektivenwechsels.
Die für viele möglicherweise schwierigsten schamanischen Wochentippswerden jene dieser Disziplin sein. Aber nur Mut – alle, die sich darauf einlassen, können die vergnüglichsten Stunden ihres Lebens erleben!
Kernsatz: Falle aus der Rolle, sonst rollst du in die Falle Luisa Francia

