In vielen schamanischen und spirituellen Lehren gilt die Sexualität als die zentrale Kraft des Lebens. Jene Kraft, aus der neues Leben entsteht. Sie wird als heilig und heilend angesehen. Seltsam mutet daher der Umgang der meisten christlichen Religionen mit Sexualität an. Sowohl was deren „Schamanen“ (also Priester), wie die „normalen Menschen“, wie auch der vermutete oder zumindest publizierte Umgang des Religionsgründers Jesus Christus mit Sexualität betrifft. Dazu gibt es einen spannenden Text im Buch „Evangelium der Maria Magdalena“

… Es geht nicht darum zu wissen, ob Jeschua verheiratet war oder nicht (noch nicht einmal in dem Sinne, den wir heutzutage darunter verstehen). Warum auch?

Vielmehr geht es um die Frage, ob Jeschua wahrhaft menschlich war, von einer menschlichen Natur, die normal, sexuell und der Intimität und der Vorliebe fähig war. Nach dem Spruch der Alten gilt: „Alles, was nicht angenommen wird, ist nicht erlöst.“ Wenn Jeschua, der als Messias, als Christus gilt, die Sexualität nicht annimmt, wird diese nicht erlöst. Er wäre nicht mehr der Heiland im vollen Sinne des Wortes, und damit würde sich das Christentum – besonders das römisch-westliche – an einer Logik des Todes an Stelle einer Logik des Lebens orientieren:

„Christus hat seine Sexualität nicht gelebt;

also ist die Sexualität nicht erlöst.

Also ist Sexualität etwas Schlechtes;

also kann das Annehmen der eigenen Sexualität entwürdigend sein,

und das kann uns dann schuldig machen.“

Die auf diese Weise schuldhaft gewordene Sexualität kann gefährlich werden und uns tatsächlich krank machen. Denn so wird logischerweise das an der Schöpfung des Lebens mitbeteiligte Werkzeug, das unsere Existenz „in Bezug auf Gott“, „nach seinem Bilde und seiner Ähnlichkeit“ bewirkte, zu einem Werkzeug des Todes. Sollten nicht gerade wir im Westen – durch unser unbewusstes und kollektives Schuldbewusstsein – unter den Folgen einer solchen Logik zu leiden haben? Das Maria-Evangelium erinnert uns – wie das des Johannes und das des Philippus – daran, dass Jeschua einer intimen Beziehung zu einer Frau fähig war. Diese Intimität war nicht nur fleischlich, sie war ebenso emotional, geistig und spirituell. Es ging darum, das menschliche Wesen in seiner Ganzheit zu erlösen, das heißt, zu befreien; und das geschieht, indem Bewusstsein und Liebe in alle Dimensionen des Daseins eingebracht werden.

Quelle: Evangelium der Maria Magdalena, Jean-Yves Leloup, Heyne

Wie wunderbar, dies in dieser Eindeutigkeit dargestellt zu bekommen. Welch ein Gleichklang mit anderen spirituellen Lehren und schamanischem Wissen. Den schamanischen Aspekten der sexuellen Liebe ist – für alle, die es interessiert – ein Modul der Online-Akademie „Der Unsichtbare Schamane“ gewidmet. Anhand eines Medizinrades werden die Rollen der Liebhaberinnen beschrieben und Anregungen zu mehr Lebensfreude und Vielfalt gegeben.

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2 Comments for this entry

  • sandra sagt:

    Da kann man sehen wie die Kirche politische Entscheidungen mit großer Tragweite als “Gott” gegebenes Gesetz verkaufen. Viel Leid- nicht nur- für Priester erzeugen. Unterdrückte Sexualität lös Mißbrauch aus. Mich wundert da nichts mehr…

  • windtänzer sagt:

    Es ist j a sowieso verblüffend wie lang das Gerücht der gottgewollten Keuschheit hält. Jesus war Jude und ein Rabbi, da ist das Zeugen von Nachkommen gerade zu eine “Heilige Pflicht”. Umso lächerlicher erscheint das Zölibat. “Der Enthaltsamkeitszölibat wurde erstmals auf der Synode von Elvira (ca. 306) als Gesetz aufgeschrieben” siehe Wilipedia.

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